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    🤘🤘🤘🤘🤘🤘🤘🤘🤘🤘
  • Release-Datum:
    27.01.2023
  • Label:
    Rookie Records / Kidnap Music
Pascow

Sieben

Irgendwann im Frühjahr oder Sommer 2003: Beim Stöbern im örtlichen CD-Laden fällt mir eine sehr dicke CD vom Label Vitaminepillen Records in die Hände. Vier CDs, 81 Songs, das ganze für 15 Euro oder so, wird mitgenommen. Die Compilation Millenium Madness Vol. III sollte danach für lange Zeit ein dauerhafter Begleiter sein und in meinem alten Discman ungezählte Mengen an AA-Batterien verzehren. Mit von der Partie war eine bis dato eher unbekannte Band aus dem rheinland-pfälzischen Gimbweiler (mir bis dahin ebenfalls eher unbekannt) namens Pascow.

 

Bei dem Bandnamen ging sofort eine Lampe an. Der Groschen fiel endgültig beim Intro zu Wenn Die Das Machen und dem Outro des Klassikers Trampen Nach Norden (welcher übrigens auch mal als Schlager gecovert wurde; diese Version ist aber wie vom Erdboden verschluckt!). Beide Songs haben Einspieler des Coming of Age-Films „Stand By Me“, welcher auf der Novelle „Die Leiche“ von Stephen King basiert. Der Name Pascow bezieht sich auf Victor Pascow, einen Charakter aus „Friedhof Der Kuscheltiere“. Mein knapp 20 Jahre altes Gehirn war „blown“, denn zu dieser Zeit war das Recherchieren im Internet noch nicht so einfach wie heutzutage, und als Stephen-King-Fan holte mich das alles ziemlich ab.

 

Dass ich mir kurz darauf das Debütalbum Richard Nixon Discopistole zulegen musste, versteht sich von selbst. Doch jetzt 19 Jahre und fünf  Alben in die Zukunft! Letzten September kam die Single Himmelhunde samt Albumankündigung und Video. Nach Jade, welches ich persönlich gut, aber nicht  das beste Werk der Band fand, waren meine Erwartungen irgendwo zwischen „Okay, mal sehen, welche Experimente uns jetzt erwarten“ und „Wenn das Album da weitermacht, wo Himmelhunde aufhört, werde ich mein nächstes Haustier nach dieser Band benennen!“; und so wartete ich gespannt die zweite Single „Königreiche Im Winter“ ab. So weit, so toll – gefällt. Aber dann kam die letzte Vorabsingle Mailand und spätestens ab diesem Zeitpunkt stellte sich mir die Frage, ob der Name Pascow zu einem Wellensittich passen könnte oder doch besser zu einem Chinchilla.

 

Halten wir fest, dass die ersten drei der insgesamt 14 Songs von „Sieben“ Spaß machen, zum Bewegen und vor allem zum Mitdenken und -fühlen anregen. Was ist aber mit den restlichen elf Tracks? Können die was? Oder bin ich einfach nur jemand, der nach langer Zeit eine „alte“ Liebe neu entdeckt hat und deswegen in schockverliebter Umnebelung ultimativ hyped?

Glücklicherweise trudelte die Schallplatte diese Woche ein und somit konnte ich schon früher als erwartet die Gewissheit erlangen, dass mein Hype völlig gerechtfertigt ist:

 

Pascow spielen einen überaus groovigen Punk Rock mit für meine Ohren sehr passendem Indie-Einschlag, die Refrains bleiben mit Melodie und Text im Ohr und  dürften auf den kommenden Konzerten fleißig mitgesungen werden.

Womit wir bei den Texten angekommen wären: Die bewegen sich zwischen zynischer Gesellschaftskritik (Monde, Vierzehn Colakracher), politischen Statements (Gottes Werk Und Teufels Beitrag, Mailand) und hoffnungsvollen Messages an die einsamen Seelen da draußen  (Daniel & Hermes) und werfen dabei nicht mit Standardphrasen um sich, als wären es Süßigkeiten beim Faschingsumzug. Stattdessen gibt es intelligente Umschreibungen und Wortspiele, die zugänglich sind, und denen der wütende Gesang von Alex Pascow ordentlich Nachdruck verleiht. Eine düstere Grundstimmung, die aber nicht deprimieren, sondern aktivieren möchte. Dazu dann noch das instrumentale Stück Zugausweichen und das zwölf Sekunden kurze Boris Blocksberg (das auf mich wie ein Outtake wirkt) und die Sache ist durch!

 

Fazit: Wenn Sieben am Ende des Jahres nicht ganz oben in den Bestenlisten steht, weiß ich auch nicht weiter. Pascow haben auf dieser Scheibe einfach alles richtig gemacht, vom Songwriting bis hin zum Mastering passt alles unfassbar gut und wird auch nach dem zehnten Durchlauf nicht langweilig. Wer sich auch nur ansatzweise für intelligenten Punk Rock interessiert, kommt 2023 an diesem Album nicht vorbei!

 

– Bennywise

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